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„Heim und Herd“

Gekennzeichnet von stilvoller Einrichtung, Ordnung und Sauberkeit, entspricht die Bildvorlage aus den

70-er Jahren der gängigen Vorstellung einer bürgerlichen Welt und erfüllt alle Kriterien unserer europäischen Zivilisationsmerkmale. Das Schlafzimmer – der intime Ort des ehelichen Begehrens – verwandelt sich unter den Blicken des Betrachters  in einen Tatort. An der Stelle, wo auf der Fotografie einst Blumen standen, spiegelt sich eine Szene der Indignation. Der katoptrische Blick seziert den leblosen Körper.

Der Spiegel reflektiert unsere Phantasien und Schaulust. Ergänzt durch die Ansammlung vorgelagerter Musterhölzer mit unterschiedlichsten Gebrauchsspuren, wird die Installation mit dem Schriftzug „Heim und Herd“ gleichzeitig zum Erinnerungsbild und zur Vision.

„Für einige, sage ich, waren Spiegel eine Hieroglyphe der Wahrheit, weil sie alles enthüllen können, was sich ihnen zeigt, so wie es der Wahrheit Brauch ist, die nicht verborgen bleiben kann.“ (Raphael Mirami, 1582)

 


„Darry“

Am Beispiel von „Darry“ - einem kleinen Ort in Schleswig-Holstein, in dem 2007 eine 31-jährige Mutter ihre fünf Söhne ermordete - wird der Trugschluss aufgezeigt, dass sich selbst ein idyllischer Ort, bei dem der Betrachter vermutet, dass der Schrecken nicht hinreichen kann, in einen Tatort verwandelt.

Alles ist überall denkbar, nirgendwo ist die Sicherheit absolut.

Der französische Philosoph Gaston Bachelard setzt in seiner „Poetik des Raumes“ das Motiv des Hauses mit dem der Mutter gleich, da ihr Uterus die erste Behausung des ungeborenen Lebens darstellt. Vertrauensvoll liefern sich die Kinder dem Schutz der Mutter aus. Unerwartet wendet sich der Schutzraum gegen das zu Beschützende und vernichtet es. Beispielhaft werden alltägliche Gegenstände wie der Herd, Regale und eine Neonlampe mit einer Schutzschicht aus besandeter Dachpappe überzogen - einem Material, das gewöhnlich unser „Dach über dem Kopf“ bildet. Durch diese Veränderung wird das Ensemble der Gegenstände unbrauchbar und schützt sich vor unserem Zugriff.

 


„Tisch – Stuhl – Schrank – kein Bett“

Die Repräsentation der Dinge, wie sie über Jahrzehnte existiert haben, reichen aus unserer Kindheit in die Gegenwart. Die Objekte speisen die Erinnerungen an gelebte Zeit – ihre Gebrauchsspuren, oftmals Beschädigungen und Mängel, zeugen vom Leben und vergegenwärtigen Erlebtes. Unsichtbares wird durch die Wahrnehmung der Gegenstände sichtbar und durch die Decodierung unserer individuellen Erfahrung wieder  präsent. Referenz für die Installation „Tisch – Stuhl – Schrank – kein Bett“ ist die Wohnungs-

auflösung einer Verstorbenen, die mit bürgerlichen Möbeln der 50-er Jahre ausgestattet war, und die nun aus ihrer gewohnten Umgebung entfernt wurden. Erst wenn sich die Möbel wieder zu einem sinnstiftenden Zueinander formieren, kann der Mensch sie sich erneut aneignen, sie wieder benutzen. Bis dahin entzieht sich jeder einzelne Gegenstand unter dem schützenden Netz aus Asphaltpappe seiner Bestimmung.

Die Vorstellung des „Nicht-Mehr“ und des „Noch-Nicht“ löscht ihren Gebrauchswert und verhindert den Weg zurück in den Kreislauf der Güter – die Möbel verharren in ihrer selbstreferentiellen Existenz.

 

 

Rätselhaftes im imaginären Innern - 24. September 2010